Todos Santos Cuchumatán


Der kleine Marktort liegt hoch oben in den Cuchu- matanes-Bergen nördlich von Huehuetenango, in einem der entlegendsten Winkel des Landes. Zweieinhalb Stunden brauchen die Busse aus Huehuetenango, um die 40 km auf der kurvigen und staubigen Straße zurückzulegen. Todos Santos ist berühmt für seine Webkunst, die sich auf den ersten Blick in der kunstvollen, traditionellen Kleidung von Frauen und Männern zeigt. Frauen tragen rote oder blaue “huipiles”, während sich die Männer in auffallende, rot-weiß-gestreifte Hosen kleiden und dazu meist ein weißes Hemd mit aufwändig bestickten, roten Kragen tragen. Markttage sind
Sonntag und Mittwoch.  Berühmt und berüchtigt ist Todos Santos für eines der wildesten Spektakel, die im heutigen Guatemala anlässlich des namensge- benden Feiertages - Todos Santos (Allerheiligen) - stattfinden. Verkürzt be- schrieben handelt es sich bei den Feierlichkeiten um ein Pferderennen, das in einem Massenbesäufnis endet.
Die Einwohner von Todos Santos und den umliegenden Dörfer haben, wie viele indigene Gemeinden, schwer unter dem beinahe dreißig- jährigen Bürgerkrieg gelitten. Viele männliche Einwohner wurden von militärischen und para- militärischen Kommandos ermordet, zahllose andere sind nach Mexiko geflohen.

In vielen entlegenen Regionen Guatemals hat sich ob dieser Erfahrungen ein tiefes Miss- trauen in die staatliche Justiz entwickelt.

Regelmäßig gehen denn auch Berichte über Formen der Selbstjustiz und Lynchmobs, die die Gerechtigkeit in die eigene Hand nehmen, durch die guatemaltekischen Medien.

Für internationale Schlagzeilen sorgte die Ermordung eines japanischen Touristen und eines guatemaltekischen Busfahrers im April 2000 in Todos Santos. Der Japaner hatte, mit einer Gruppe von Touristen zum Markt kommend, einheimische Kinder fotografiert und wurde daraufhin von der Menge, die durch Gerüchte um vermeintliche Satanisten, die angeblich kommen sollten, um Kinder des Dorfes zu stehlen und sie dann zu opfern, gelyncht. In einem Gerichtsverfahren im Jahr 2001 wurden die drei Angeklagten “aus Mangel an Beweisen” freigesprochen.

Es ist seitdem nicht wieder zu vergleichbaren Vorkommnissen gekommen. Allerdings sollte man sich bewußt machen, dass jedes Jahr guate- maltekische Kinder entführt werden, um sie an- schließend auf dem “Schwarzmarkt” an betuchte “Adoptiveltern” zu verhökern. Oft wurden in den betroffenen Dörfern vorher Paare gesichtet, die getarnt als harmlose Touristen, Fotos von den ausgesuchten Kindern gemacht hatten...

In karikierender Nachahmung der ersten Spanier, die in die Region kamen, hoch zu Ross, farben- prächtig gekleidet, mit langen, wehenden Schals, treten heute die wohlhabendsten männlichen Ein- wohner in einem Rennen zwischen zwei Wende- marken gegeneinander an. Bei jeder Wende wird so lange ein Drink  heruntergeschüttet,  bis der/die Reiter vom Pferd fallen. Wer fällt, scheidet aus. Um das Wohlbehalten der Pferde kümmern  sich Aufseher zu beiden Seiten der Strecke, die er- schöpfte Tiere austauschen. Sie müssen sich aber auch mit betrunkenen, bereits gestürzten Reitern auseinandersetzen, die versuchen, zurück aufs Pferd Pferd zu klettern. Mit vor- anschreitender Tageszeit und steigendem Alkohol- pegel wird die Veranstal- tung zusehends bizarrer. Vor der Kirche des Ortes beginnt  am  Nachmittag des Feiertages der  Tanz der    Conquistadoren (Baile de los Conquista- dores), bei dem Einhei- mische große, weißge- sichtige Masken mit goldenen Haaren und Bärten, sowie Mädchen- und Bullenmasken tragen.