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Routenvorschläge

Reiseziele in Nicaragua
Von ganz weit oben betrachtet scheint Nicaragua überwiegend aus Wasser zu bestehen, aus dem rauchende Vulkankegel herausragen. Lediglich ein auf der Spitze stehendes Dreieck, die Bergregionen des Nordwestens, erweckt den Eindruck einer massiven Landmasse. Die atlantische Miskito-Küste - so genannt nach ihren einheimischen Bewohnern - ist von Lagunen und Sümpfen durchzogen, die beiden großen Seen im Südwestteil des Landes, Managua-See und Nicaragua-See, lassen die dichter besiedelten Provinzen im Hinterland der Pazifikküste beinahe als schmale Landbrücke erscheinen, die sich vom honduranischen Golf von Fonseca im Nordwesten bis zur costaricanischen Grenze im Süden erstreckt. Entlang dieser Linie reiht sich eine Kette von 58 Vulkanen, von denen viele noch aktiv sind. Mindestens einen von ihnen hat der Reisende immer im Blickfeld, und zum Kraterrand des Masaya, der als größter natürlicher Umweltverschmutzer der Welt gilt, kann er sogar bequem mit dem Auto vorfahren. Auch der Nebelwald des Mombacho ist gut von Granada aus im Rahmen eines Tagesausfluges zu erreichen.
      Nicaragua ist reich an Naturschönheiten. Es beherbergt z.B. das größte intakte Regenwaldgebiet nördlich des Amazonas, mit Ometepe die weltgrößte Insel in einem Binnensee, mit den Islas de Maíz oder Corn Islands ein noch unentdecktes karibisches Inselparadies vor der Atlantikküste, offene Pazifikstrände und geschützte Buchten wie die von San Juan del Sur, in dessen Umgebung sich auch der unter Naturschutz stehende Strand von El Flor befindet, den jährlich tausende von Schildkröten zur Eiablage aufsuchen.
      Das historische und architektonische Erbe der Kolonialzeit zeigt sich in León und Granada, zwei der ältesten spanischen Stadtgründungen des amerikanischen Kontinents. Kontroverse Metapher des Landes ist schließlich Managua - Hauptstadt und Geschäftszentrum des Landes, in dem zwanzig Prozent aller Einwohner leben - aber seit dem verheerenden Erdbeben von 1972 eine Stadt ohne Zentrum. Vielmehr ein einziger, scheinbar endloser Vorort mit flacher Bebauung, aus dem die Ruine der alten Kathedrale, der umstrittene Betonbau der neuen Kathedrale und der Pyramidenbau des alten Interconti-Hotels als Wahrzeichen herausragen, sieht man von der eisernen Silhouette Augusto Sandinos ab, die vom Hügel oberhalb des Interconti über die Stadt und ihre Bewohner blickt. Der Revolutionär konkurriert mit dem Dichter Ruben Darío um die Position als Held des Volkes und berühmtester Sohn des Landes. Selbstverständlich hat auch "der Prinz der lateinamerikanischen Literatur" und "Begründer des lateinamerikanischen Modernismus" wie er auch genannt wird, sein Denkmal in Managua - vor dem Nationaltheater, in einem kleinen, nach ihm benannten Park.
      Dass Nicaragua trotz all seiner offensichtlichen Vorzüge nicht zum Reiseland geworden ist, verdankt es nicht zuletzt einer "schlechten Presse", die man hier seit Jahrzehnten gewöhnt ist. Gleichgültig ob mit oder ohne Sympathie für die sandinistische Revolution verfasst, in der es Nicaragua als eines der wenigen nachkolonialen Länder überhaupt gelungen ist, eine korrupte und verbrecherische Regierung zu überwinden, Medienberichte über Nicaragua handelten bis vor wenigen Jahren ausschließlich von Krieg, Gewalt und Armut, oder von Naturkatastrophen, die einmal mehr über das gebeutelte Land hereingebrochen waren. Ironischerweise ist Nicaragua während dieser Zeit zu einem der friedlichsten und sichersten Reiseländer geworden, während die touristische Entwicklung, die Nachbarländer wie Costa Rica bis in den letzten Winkel erfasst hat, Nicaragua ignorierte.
      Wer etwas Unternehmungsgeist mitbringt, Wert auf Gastfreundschaft und Authentizität legt, gut auf Glamour und Massentourismus verzichten kann, wird seine Entscheidung für Nicaragua nicht bereuen.