Mit über 15.000 Toten (überwiegend Zivilisten), 30.000 Verletzten und 250.000 obdachlosen Menschen hat der Bürgerkrieg dem Land tiefe Wunden geschlagen.

Nachdem die "Contras" offiziell das Ende des Bürgerkriegs erklären, heben die USA das fünf Jahre zuvor verhängte Embargo auf. Präsidentin Chamorro entwaffnet die Contras, reduziert die Streitkräfte und sucht den Ausgleich mit den Sandinisten. 1993 werden die Contras unter dem Namen "Nicaraguanischer Widerstand" wieder als offizielle politische Partei zugelassen. Eine Verfassungsreform im Februar 1995 bringt die Abschaffung der Wehrpflicht, eine Verkürzung der Legislaturperiode auf 5 Jahre, das Verbot der direkten Wiederwahl des Präsidenten, sowie das Kandidatur-Verbot für Verwandte des Amtsinhabers.

Im Juni 1996 wird Nicaragua internationale Finanzhilfe von 1,5 Milliarden US-Dollar zugesagt. Aufgrund der Auf- lagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt es zu starken Kürzungen im Sozial-, Gesundheits- und Erziehungsbereich. Die sozialen Errungenschaften der sandinistischen Regierungszeit werden nach und nach wieder abgebaut.

Im Oktober 1996 gewinnt mit Arnoldo Alemán der Kandidat eines rechtsliberalen Parteienbündnisses die Präsidentschaftswahlen. Daniel Ortega, Gegenkandidat der Sandinsten, unterliegt erneut und erhebt den Vorwurf der Wahlfälschung.

Mit erheblicher Unterstützung der internationalen Gemein- schaft werden zwar Fortschritte beim Wiederaufbau des Landes erzielt, dem stehen jedoch Rückschritte auf dem Gebiet der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere eine eska- lierende Korruption, gegenüber.

Ende Oktober 1998 fegt der Jahrhundert-Hurrikan "Mitch" mit bis zu 250 km/h über Mittelamerika hin- weg und hinterlässt auch in Nicaragua verheerende Verwüstungen. Bei den Wahlen im Jahr 2001 wird Enrique Bolaños Geyer Präsident Nicaraguas und kündigt, mit Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft,

US-Präsident Clinton 1999 am Grab eines der zahllosen Opfer einer Schlamm- lawine, die Mitch ausgelöst hatte. (4tägiger Staats- besuch in Zentral- amerika)



den Kampf gegen die Korruption an. Daniel Ortega, nach wie vor Führer der FSLN , unterliegt zum dritten Mal in Folge bei Präsidentschaftswahlen. Im Dezember 2002 wird Ex-Präsident Alemán unter Korruptionsvorwürfen verhaftet, das Parlament, dessen Präsident er noch bis zum September des Jahres gewesen war, hebt seine Immunität auf. Ihm wird persönliche Bereicherung, Geldwäsche und die Veruntreuung von ca. 100 Millionen US-Dollar vorgeworfen. Bis August 2003 steht Alemán unter Hausarrest, danach kommt er in Untersuchungs- haft. Doch bereits Ende November darf er nach der Entscheidung einer befreundeten Richterin das Gefängnis

Enrique Bolaños Geyer
aufgrund seines "schlechten Gesundheitszustandes" wie- der verlassen und auf seinen Landsitz nahe Managua zu- rückkehren. Im Dezember 2003 wird er wegen Geld- wäscherei, Veruntreuung öf- fentlicher Gelder und Wahl- betrugs zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Auch wenn Alemán weiterhin unter Hausarrest steht, anstatt im Gefängnis zu sitzen, stellt das Urteil doch einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des Landes dar.