Der Blick der Sandinisten auf die us-amerikanische Regierung war von den historischen Erfahrungen Nicaraguas mit den USA geprägt.
Ein zentrales Prinzip ihrer politischen Programmatik, der Anti-Imperialismus, war für sie gleichbedeutend mit Anti-Amerikanismus.
Um der Argumentation, mit der die USA den Contra-Krieg legitimierten, die Grundlage zu entziehen, schrieb die sandinistische Regierung 1984 Wahlen aus. Die USA verweigerten, in Befürchtung eines sandinistischen Wahl- sieges, den Wahlen bereits im Vorfeld ihre Anerkennung. Tatsächlich gingen die Sandinisten mit 66,97 Prozent der Stimmen als Sieger aus Wahlen hervor, die viele inter- nationale Beobachter als fair und sauber charakterisierten.
Die USA setzten weiterhin auf einen militärischen Sieg der Contras. Mit Hilfe der CIA wurden nicaragua-


nische Häfen vermint. Nicaragua rief daraufhin den Internationalen Gerichtshof in Den Haag an. Am 27.Juni 1986 entschied der IGH im Sinne Nicaraguas
, verurteilte "die illegale Gewaltanwendung" durch die USA (insofern diese nicaraguanische Häfen vermint hatten). Das Urteil forderte Washington auf, seine kriminellen Praktiken zu beenden und eine angemessene Entschädigung zu zahlen. Die USA erklärten, man werde sich dem Urteil nicht beugen und den Gerichtshof nicht mehr anerkennen.
Die zentralamerikanischen Nachbarstaaten waren direkt vom Krieg im "Hinterhof der USA" betroffen.
Ihr Interesse war die Beendigung des Krieges. Honduras war das erzwungene Aufmarschgebiet der Contras und hatte mit dem Unmut seiner Bevölkerung über die An- wesenheit tausender us-amerikanischer "Militärberater" zu kämpfen. Costa Rica wurde von den USA massiv unter Druck gesetzt, den Krieg gegen die Sandinisten aktiv zu unterstützen, während es sich gleichzeitig nicaraguanischen Flüchtlingsströmen gegenüber sah. Vor allem die costaricanische Regierung unter Oscar Arías Sánchez zeichnete sich in ihrem Bemühen um Friedensverhandlungen aus. Anfang 1987 begannen erste Gespräche zwischen der nicaraguanischen Regierung und den Contras. Im Juni 1987 unterzeichnen die Präsidenten von Nicaragua, Costa Rica, Honduras, Guatemala und El Salvador im guatemaltekischen Wall- fahrtsort Esquipulas einen Friedensplan für Zentral- amerika. Arías Sánchez erhielt für seine Rolle im "Prozess von Contadora" den Friedensnobelpreis.
Im Februar 1990 verloren die Sandinisten die Wahlen. Eine Mitte-Rechts-Koalition unter Präsidentin Violeta Barrios de Chamorro, der Witwe des ermordeten Chamorro, übernahm die Regierung.


Violeta Barrios de Chamorro