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In dieser, als “noche triste” in die Geschichte eingegangenen Nacht vom 30. Juni 1520 versuchten die Spanier, aus Tenochtitlan zu fliehen. Der Versuch wurde entdeckt und geriet zu einem blutigen Debakel, bei dem zahlreiche Spanier, die nicht von Azteken getötet wurden, mitsamt den von ihnen panisch zusammengerafften Schätzen in den Kanälen der Hauptstadt ertranken.
Die Überlebenden um Cortés stellten mit Hilfe der Stadtstaaten Tlax- cala und Huejotzingo eine neue Streitmacht auf, die wenige Monate später die Belagerung der Aztekenhauptstadt begann, diese schließ- lich Straße für Straße eroberte und am Ende dem Erdboden gleich- machte.
Die Azteken unter ihrem erst 18jährigen Führer Cuauhtémoc, der bis heute in Mexiko als Held verehrt wird, wehrten sich verzweifelt. Letztlich waren sie aber chancenlos im Kampf gegen Hunger, Masern, Windpocken und die mit den Spaniern verbündeten Nachbarstaaten.
Cortés verdankt die Miss- und Verachtung, die er im heutigen Mexiko genießt, nicht zuletzt seiner Erlaub- nis, den gefangenen Cuauhtémoc zu foltern, um ihm Informationen über verborgene Schätze abzupressen. Dieser Schande ließ der "Konquistador" 1525 eine weitere folgen. Gestützt auf die fragwürdigen An- schuldigungen eines Überläufers zum Christentum ließ er Cuauhtémoc, der als Freiwilliger im Expeditions- corps nach Honduras diente, wegen Verrats anklagen: dieser wurde schuldig gesprochen und gehängt.
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Mit Ausnahme des idealisierten Cuauhtémoc wurden alle Beteiligten dieses traumatischen Kapitels des mexikanischen Gründungsmythos zu Verlierern der Geschichte: Moctezuma II steht für den aztekischen Hamlet, dessen Zögern das eigene Volk dem vorzeitigen Untergang geweiht hatte. Cortés gilt in Mexiko bis heute als skrupelloser Kolo- nisator, der immer einer fremden Macht verpflichtet blieb. Der Name Malinches schließlich, der Cortés- Geliebten und Mutter des ersten "Mexikaners" Martín Cortés, wurde in der Mestizengesellschaft, als deren virtuelle Mutter sie gelten kann, zum Synonym des Verrats an der eigenen Kultur.
Dem Fall Tenochtitlans folgten binnen weniger Jahre die anderen meso- amerikanischen Völker und Kulturen. Auf und aus den Trümmern Te- nochtitlans wurde die neue Hauptstadt Ciudad de México erbaut. Cortés, dessen Erfolg und Selbst- herrlichkeit ihm zahlreiche Feinde am spanischen Hof eingebracht hatten, wurde von Karl V zwar zunächst zum General- gouverneur und militä- rischen Oberbefehlshaber ernannt, den erhofften Adelstitel verweigerte er ihm jedoch.
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