Juan José Arévalo (* 10.September 1904 † 7.Oktober 1990)
Lebte bis Ende 1944 im argentinischen Exil, wo er an der Universität de la Plata Philosophie und Literatur studierte und später Professor für Philosophie und Literatur an der Universität Tucumán wurde. Als sich 1944 das Ende der Diktatur in Guatemala abzeichnete, kehrte er in sein Heimatland zurück. Aus den demokratischen Neuwahlen 1945 ging Arévalo als Sieger hervor. Seine Präsidentschaft stand unter den Vorzeichen konstitutioneller und sozialer Reformen, die in Guatemala die Periode der "zehn Jahre des Frühlings" einleiteten.
Mateo Flores (eigentlich Doroteo Guamuch Flores, * 11.Februar 1922)
Gilt als Guatemalas hervorragendster Sportler. Diesen Ruf erwarb sich der Läufer während der 16 Jahre (1941-1957) die er der Leichtathletik widmete. Nach ersten Erfolgen 1946 gewann er bei den Zentralamerika & Karibik Spielen von 1950 den Halbmarathon. 1952 war Flores Olympiateilnehmer in Helsinki. Sein international am meisten beachteter Sieg war der im Boston Marathon von 1952, der auch Millionen seiner Landsleute in Begeisterung versetzte.
Ihm zu Ehren wurde das guatemaltekische Nationalstadion im selben Jahr in "Estadio Nacional Mateo Flores" umbenannt. Nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn arbeitete Mateo Flores als Sportlehrer und widmete sich der Jugendförderung. Im März 1991 wurde er aufgrund seiner Verdienste um den guatemaltekischen Sport mit dem Preis "La Ceiba de Oro" ausgezeichnet.
José Rafael Carrera Turcios, * 24.Oktober 1814 † 14.April 1865) regierte Guatemala von 1844 bis 1848 und nach einer Verfassungsänderung von 1851 bis zu seinem Tod.
Noch in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts war Rafael Carrera ein ebenso ungebildeter wie gerissener Schweinehirt, der zum Wegelagerer avancierte. Nachdem einige undisziplinierten Regierungssoldaten einige seiner Verwandten getötet hatten, gelobte er Blutrache gegen den zentralamerikanischen Präsidenten Francisco Morazán und dessen Regierung. Seinen Rachefeldzug machten sich guatemaltekische Konservative zunutze, indem sie ihn zunächst für eigene Umsturzversuche zu instrumentalisieren versuchten. Sie konnten ihn jedoch nicht kontrollieren, so dass Carrera schon Ende der 30er Jahre zum de facto Herrscher weiter Teile Guatemalas aufstieg, während das Land in einen Bürgerkrieg glitt. Mit der Rückendeckung Konservativer, Großgrundbesitzer und der Katholischen Kirche beherrschte Carrera das Land bis 1865, seit 1854 als selbsternannter "Präsident auf Lebenszeit".
Ricardo Arjona * 19.Januar 1964
International anerkannter Singer/ Songwriter der Latin Music, dessen Texte Elemente der politischen und gesellschaftlichen Satire aufnehmen. Der in Antigua geborene Künstler, der auch für die guatemaltekische Nationalmannschaft Basketball spielte und zum Landschullehrer ausgebildet wurde, bevor er sich ganz der Musik widmete, lebt in Mexiko. Einer seiner bekanntesten Titel ist "Si el Norte fuera el Sur" (Wenn der Norden Süden wäre).
www.arjona.com
Manuel José Estrada Cabrera, (* 21.November 1857 † 24.September 1924) Präsident Guatemalas von 1898 bis 1920.
Diktator und Modernisierer des Landes. Während seiner Regierungszeit stieg die United Fruit Company zum wichtigsten Machtfaktor im Lande auf. Es entstanden Bahnlinien, Straßenverbindungen und Kommunikationswege. Revolten, die 1906 gegen seine despotische Herrschaft ausbrachen, schlug er mit Hilfe des mexikanischen Langzeit-Diktators Porfirio Díaz nieder. Erst als die USA um 1919 ihre Unzufriedenheit mit dem bis dahin loyalen Unterstützer us-amerikanischer Politik in Zentralamerika äußerten, waren erneute Umsturzversuche 1920 erfolgreich. Zu den bizarrsten Hinterlassenschaften des Diktators, der schließlich für geisteskrank erklärt und abgesetzt wurde, sind zahlreiche Minerva-Tempel, die einem vom Cabrera initiierten Minerva-Kult dienten.
Jacobo Arbenz Guzmán (* 14.September 1913 in Quetzaltenango † 27.Januar 1971 in Mexiko )
war als Präsident (1951-1954) Nachfolger Arévalos, dessen Reformkurs er fortsetzte und verstärkte. Als er auf Empfehlung der Weltbank daranging, die ungenutzten Ländereien der United Fruit Company (UFCO) gegen Entschädigung zu enteignen, um sie im Zuge einer Landreform an landlose Bauern zu verteilen, trug ihm dies die Feindschaft der US-Regierung ein. Ein CIA gelenkter Coup unter der Führung exilierter Offiziere stürzte Arbenz Guzmán, der zunächst nach Kuba floh und 1971 in Mexiko starb. Sein Sturz markierte den Beginn eines grausamen Bürgerkrieges, dem über die kommenden Jahrzehnte bis zu 200.000 Menschen, vor allem aus der ländlichen Maya-Bevölkerung, zum Opfer fielen.
United Fruit Company (UFCO)
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde die us-amerikanische United Fruit Company in den zentralamerikanischen Ländern zum Staat im Staate. Aber keiner der Nachbarn geriet so in die Fänge der Krake ( "El Pulpo") wie Guatemala. Der landfressende Konzern kontrollierte nicht nur den Bananenanbau, sondern auch Transport- und Kommunikationswege wie Eisenbahn, Telefon- und Telegraphenleitungen, alle Häfen und selbst die Schiffe, die in ihnen anlegten. Als die Verstaatlichung brachliegenden UFCO-Landes drohte, zeigte die Krake ihre geballte Macht. John Foster Dulles, US-Außenminister, UFCO-Anwalt und -Großaktionär, war gemeinsam mit seinem Bruder, CIA - Chef Allen Dulles, schnell von einer drohenden kommunistischen Machtübernahme in Zentralamerika überzeugt. Der us-finanzierte und aus Honduras lancierte Putsch gegen die demokratisch gewählte Regierung des Landes brachte dem Konzern seine alten Privilegien zurück.
Justo Rufino Barrios (* 19.Juli 1835 † 2.April 1885) Präsident Guatemalas (1873-85)
Nahm 1871 an der erfolgreichen Revolution der Liberalen gegen den konservativen Präsidenten Vicente Cerna teil und wurde anschließend ins Amt gewählt. Als liberaler Diktator setzte er zahlreiche Reformen durch, die nicht zuletzt zu Lasten der Kirche gingen, deren Einfluss und Besitztümer beschnitten wurden. Er förderte Infrastrukturprojekte und den Kaffeeanbau, auch über Einwanderung. Die staatliche Zentralgewalt wurde durch die Einsetzung von Provinzgouverneuren (Jefes políticos) gestärkt. Barrios versuchte, sein politisches Ziel der Wiedereinsetzung der zentralamerikanischen Föderation mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Im Rahmen einer Intervention im benachbarten El Salvador wurde Barrios 1885 in der Schlacht mit der salvadorianischen Armee getötet.
CIA
Der us-amerikanische Geheimdienst darf als einer der wichtigsten politischen Akteure im Guatemala des 20. Jahrhunderts gelten. In enger Verquickung mit den Interessen des Großkonzerns United Fruit Company intervenierte er 1954 zugunsten restaurativer Kräfte mittels eines Militärputsches. Die daraufhin eingesetzte Junta verfolgte eine den Interessen der Militär- und Agraroligarchie verpflichteten Politik zu Lasten von Bauern, Arbeitern und Gewerkschaften. Präsident Clinton nannte im Rahmen seines Besuches 1999 die Rolle der USA im 36jährigen Bürgerkrieg "einen Fehler, der sich nicht wiederholen dürfe", eine Geste, die obwohl keine explizite Entschuldigung, von vielen als solche wahrgenommen wurde.
Miguel Ángel Asturias (* 19.Oktober 1899 Guatemala Stadt † 9.Juni 1974 Madrid)
Die Werke des guatemaltekischen Autors, Diplomaten und Literatur-Nobelpreisträgers spiegeln die Probleme seines Landes: den Verfall der Moral unter den Bedingungen einer Diktatur und dem Wirtschaftsimperialismus der USA. Elemente indigener religiöser Mythen und Legenden werden konfrontiert mit der politischen und gesellschaftlichen Realität Lateinamerikas. Diese Kombination ist ein wesentliches Merkmal des sogenannten Magischen Realismus, einer Hauptströmung lateinamerikanischer Literatur im 20.Jahrhundert, als deren Mitbegründer Asturias gilt. Sein diplomatisches Amt, in dem Asturias Guatemala in Mexiko, Argentinien und Frankreich vertreten hatte, gab er 1955, nach dem Putsch gegen die demokratische Regierung Arbenz Guzmán, auf. Den Nobelpreis erhielt er 1967 für seine "Bananentrilogie" ("Sturm", "Der grüne Papst", "Die Augen der Begrabenen").
Rigoberta Menchú (* 9.Januar 1959 in Chimel)
Die zum Volk der Maya - Quiché gehörende Menschenrechtsaktivistin erhielt für ihre Arbeit 1992 als jüngste Preisträgerin den Friedensnobelpreis. Bereits in jungen Jahren engagierte sich die in ärmlichen Verhältnissen Aufgewachsene für die Belange der indigenen Bevölkerung ihres Landes. Zunächst im Rahmen der Katholischen Kirche, später im CUC (Comité de Unidad Campesina), einer Kleinbauernvereinigung. Ihr Vater starb - mit vielen anderen - 1980 in der Spanischen Botschaft, als diese von Regimeanhängern angezündet wurde. Nachdem auch ihre Mutter und ein Bruder verfolgt und ermordet worden waren, musste sie untertauchen. Sie floh schließlich nach Mexiko und setzte ihren politischen Kampf aus dem Ausland fort. Seit dem offiziellen Ende des Bürgerkrieges kämpft Rigoberta Menchú in Guatemala für eine stärkere Repräsentanz der indigenen Bevölkerung im politischen System Guatemalas.
José Efraín Ríos Montt, (* 16.Juni 1926 in Huehuetenango)
Der Neofaschist und Völkermörder kam 1982 nach einer Palastrevolte zwischen rivalisierenden Heeresoffizieren an die Macht und wurde 17 Monate später ebenfalls von Waffenkameraden gestürzt. Seine Regierungszeit gilt als brutalste Etappe des guatemaltekischen Bürgerkriegs, der von 1954 bis zum Friedensabkommen von 1996 mehr als 200.000 Menschenleben kostete. Seinem Befehl unterstellte Militärs verübten mehr als 600 Massaker, zerstörten rund 100 Dörfer, brachten 17.000 angebliche "Subversive" um und lösten eine Massenflucht über die Grenze nach Mexiko aus. Ríos Montt unterhielt jahrzehntelang beste Kontakte zu den USA, insbesondere zur berüchtigten School of Americas, der CIA und der religiösen Rechten.
Aus Angst vor einem Verfahren vor dem Strafgerichtshof in Den Haag verzichtet der Ex-Diktator seit Jahren auf Auslandsreisen. Spaniens Justiz hat gegen ihn einen internationalen Haftbefehl erlassen. Nach einem umstrittenen Gerichtsurteil, durfte Ríos Montt, obwohl einst Putschist, bei den Präsidentschaftswahlen 2004 für die rechte Volksfront FRG kandidieren, war aber trotz massiver Einschüchterungsversuche letztlich chancenlos.