Obregón, Alvaro
Der Kichererbsen- Farmer aus Sonora wurde zunächst zu einem der einflussreichen Generäle der Nordost- Armee und als Gegenspieler
Carranzas dessen Nachfolger und mexikanischer Präsident (September 1920). Alvaro Obregón erwies sich als Pragmatiker. Nach zehn Jahren blutigen Bürgerkrieges lag Mexiko am Boden. Obregóns Regierung war den Interessen der Arbeiter verpflichtet, ohne ausländische Investoren zu vernachlässigen. Obwohl zehnmal mehr Land an landlose Kleinbauern verteilt wurde, als unter Carranza, unterschied sich Obregón von den Radikalen in seiner Regierung dadurch, dass er die Landverteilung an eine Unterweisung der Bauern in zeitgemäße Anbautechniken knüpfte. Gegenüber der katholischen Kirche verhielt sich Obregón zurückhaltend. Obwohl er selbst antiklerikal eingestellt war, wurden die antikirchlichen Gesetze der Verfassung in stark religiös geprägten Regionen nicht oder nur ansatzweise umgesetzt.
Obregóns mutigste Initiative galt der Bildungs- und Kulturpolitik. Unter dem legendären Bildungs- minister José Vasconcelos gab es erstmals gezielte Alphabetisierungskampagnen unter der ländlichen Bevölkerung. Mehr als 1000 Schulen, in denen Lehrer die Kinder der indigenen Bevölkerung unterrichteten, wurden gegründet.
Vasconcelos gab mit seiner Politik auch den Impuls zur
Muralisten-Bewegung der Maler Diego Rivera, David Alfaro Siqueiros und Gerardo Murillo ("Dr. Atl"). Sie trugen dazu bei, ein ideologisch überhöhtes Nationalbewußtsein zu schaffen, das die indianischen Traditionen einbezog.
(1880-1928)