Moctezuma II
(eigentlich Motecuhzoma Xocoyotzin; der Beiname bedeutet schlichtweg "der Jüngste") Als Herrscher der Azteken war Moctezuma eine tragische Figur. Ein Rat von Adligen wählte ihn zum Nachfolger des bluttrünstigen
Ahuitzotl, unter dessen Herrschaft sich das Gebiet des Aztekenreiches zwar verdoppelt hatte, der aber auch 20 000 Gefangene zur Einweihung eines neuen Tempels in
Tenochtitlán abschlachten ließ. Als Herrscher war Moctezuma für den Bau neuer Tempel und einer neuen Frischwasserversorgung für seine Hauptsatdt zuständig. Er engagierte sich stark für die Einhaltung der Gesetze, indem er sich verkleidet unter's Volk mischte und Richtern Bestechungsgelder als Test ihrer Korrumpierbarkeit anbot. Dennoch wurde der erfolgreiche und entschlossene Befehlshaber letztendlich Opfer seiner zögerlichen Haltung und eines legendären Aberglaubens, der sich mit der prophezeiten Wiederkehr
Quetzalcoatls verband.
Die Nachricht von der Ankunft der Spanier um
Cortés lähmte seine Handlungsfähigkeit und ließ ihn zwischen offenem Widerstand gegen die Eindringlinge und der Verehrung, die gottgleichen Wesen zukam, schwanken. Er entschied sich schließlich für eine katastrophale Möglichkeit, indem er versuchte, das spanische Expeditionskorps mit Geschenken zur Abreise aus Mexiko zu bewegen. Damit zeigte er Cortés einerseits den Reichtum der Azteken und offenbarte gleichzeitig seine eigene Führunsgsschwäche.
Cortés war schließlich mit dem Vorwand, er könne Mexiko nicht verlassen ohne Moctezuma persönlich zu danken und ihm seine Ehre zu erweisen, erfolgreich und durfte am 12. November 1519 mit einigen Begleitern schließlich die Azteken-Hauptstadt betreten. Er sah eine Stadt, die mit ihren 300 000 Einwohnern größer war als irgendeine europäische Stadt zu der Zeit.
In einem Akt der Dreistigkeit nahmen Cortés und seine Begleiter, nachdem Moctezuma sie in seinen Palast gebeten hatte, diesen als Geisel.
Damit hatte Moctezuma die Gefolgschaft seiner Untertanen verspielt und war zur Marionette der Eindringlinge geworden. Er unterwarf sich denen, die ihn gefangen genommen und gedemütigt hatten, trat zum christlichen Glauben über und leistete dem spanischen König den Treueeid.
Das Trauerspiel endete im April 1520. Während einer Abwesenheit Cortés' ließ
Pedro de Alvarado über 3000 Azteken abschlachten, weil er eine religiöse Zeremonie als Aufstand missverstanden hatte und provozierte so einen tatsächlichen Aufstand der Bevölkerung gegen die Spanier, die sich im Königspalast verbarrikadiert hatten. Als Moctezuma auf Geheiß der Spanier die aufgebrachte Menge beruhigen sollte, wurde er mit Beschimpfungen und Steinwürfen empfangen. Ein Wurfgeschoß traf ihn, und obwohl er offenbar nicht schwerwiegend verletzt war, starb er binnen zweier Wochen.
(1480? - 1520)