Mesoamerika
Siedlungsgebiet der prähispanischen Kulturen im geographischen Mittelamerika
Der Begriff geht auf den deutschen Anthropologen Paul Kirchhoff zurück, der ihn 1943 prägte und ihn auf einen distinktiven Kulturraum zwischen Nordmexiko und dem südlichen Honduras bezog, der sich durch folgende gemeinsame Merkmale auszeichnet:
Wichtige
Kulturpflanzen wie
Mais (Maize), Bohnen, Kürbisse, Kakao (von den Azteken chocolatl genannt), der auch als Zahlungsmittel diente, Tabak (zum Rauchen und in Heilungsriten eingesetzt).
Intensive
landwirtschaftliche Anbautechniken wie die Terrassierung von Hängen und
Chinampas genannte schwimmenden Gärten.
Architektonische Besonderheiten wie Stufenpyramiden, die Anordnung von Gebäuden um eine Plaza, das Bauen mit Stein, Mörtel und Gipsputz; Stuckböden, mit Steinen gepflasterte Straßen, Hängebrücken.
Religiöse und rituelle Gemeinsamkeiten wie I-förmige
Ballspielplätze auf denen mit Latexbällen gespielt wurde;
die
Darstellung von Zahlen als Punkte und Striche;
ein
komplexes Pantheon von Gottheiten;
zwei parallele Kalender mit 365 Tagen (Sonnenkalender) und 260 Tagen (Zeremonialkalender);
Bücher aus Baumrinde oder Hirschleder
Elemente der
Selbstopferung, in denen Blut aus Ohr, Zunge oder Penis abgezapft wurde;
Opferrituale, bei denen das Herz bei lebendigem Leib entfernt wurde
Kleidungselemente wie kolbenförmige Ohrstecker, Lippenpflöcke, turbanartige Kopfbedeckungen, Sandalen;
Technologische Errungenschaften wie Spiegel aus Pyrit und Magnetit; die Verwendung von
Obsidian, Kupferbearbeitung; Keramik, Keulen mit eingebetteten Steinstücken; das Spinnen und Weben von Baumwolle und Kaninchenhaar.
Handel: Austausch von Kostbarkeiten zwischen Eliten zur Stabilisierung politischer Verbindungen;
Spezialisierte Märkte, um Waren des Grundbedarfs von produzierenden auf nichtproduzierende Sektoren der Gesellschaft zu verteilen; Handelshäfen.
Weniger einheitlich stellt sich die
soziale Organisation im mesoamerikanischen Kulturraum dar, jedoch scheinen matrilineare Clans eine wesentliche Organisationsform gewesen zu sein.